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Über die Müritz (Mecklenburg- Vorpommern)

1. Tag
Einsetzen im Zechliner See - Repenter Kanal - Zootzensee- Tietzensee - Hüttenkanal - Kleiner Platizsee - Canower See - Labussee - Großer Peetschsee (?) - Viltzsee - Mössensee ( hier gibt es am Ostufer einen sehr schönen Waldcampingplatz, aber da es früher Nachmittag ist paddeln wir noch einige Kilometer). - Zotzensee (?). - Verbindung zum Kanal Richtung Mirow - Übernachtung kurz vor Mirow (eine alte eiserne Eisenbahnbrücke überquert kurz vor Mirow den Kanal. Dort fanden wir einen recht idyllischen Flecken zum ‚wilden’ zelten.
Der Platz war mit einigem Abfall und Unrat veerunstaltet. Erste Aktion meines Sohnes: den Platz säubern und den Müll am nächsten Morgen nach Mirow schaffen.
Das Wetter zeigte sich etwas wechselhaft, aber zum Glück tagsüber ohne Regen. In der Nach gab es ein kurzes und heftiges Gewitter. Die Landschaft war ein Traum in zahllosen Grünvariationen. Am beeindruckensten, die Passagen der Kanäle oder die Verbindungen zwischen den Seen. Alle Schleusen (drei?) konnten wir ohne jegliche Wartezeiten passieren.

2. Tag
Die Morgensonne hatte schnell das Zelt getrocknet. An der frischen Luft schmeckt sogar der Cappuccino aus der Tüte. Gleich hinter der Eisenbahnbrücke, noch vor Mirow, begann der Kanal, der die Müritz mit der Feldberger Seenplatte verbindet. Nach einigen Kilometern entdeckten wir am Ostufer einer sehr idyllischen Wassserwanderrastplatz (Name ?). Hier gab es Toiletten, Duschen und preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten in winzigen einfachen Holzhütten auf Stelzen (Art Baba Yaga).
Der nächste See war die ‚Kleine Müritz’. Diese überquerten wir Richtung Norden, durch die Verbinndung in den ‚Großen Müritzsee’. Wir paddelten entlang dem Westufer bis zum Campingplatz Ludorf, ca. 7 km vor Röbel.
Das Wetter hielt sich konstant wie am Vortag. Ein leichter Wind sorgte dafür, daß die Müritz ihrem Ruf als ziemlich unberechenbares Gewässer alle Ehre machte. Daß wir kurz vor dem Campingplatz Ludorf beinahe kenterten, war aber nicht den recht hohen Wellen geschuldet, sondern einer Unachtsamkeit meines Sohnes. Er stellte sich im Boot hin, wahrscheinlich einfach, um sich mal zu strecken. Dabei verlor er das Gleichgewicht, landete im Wasser und ich gleich nach ihm. Einiges Gepäck schwamm in der Müritz, während einiges Müritzwassser im Boot plätscherte. Zum Glück waren wir in Ufernähe, das Wasser ca. 60 cm tief. Das Kanu mit Wasserinhalt watend bis zum Campingplatz zu schleppen kam mir nicht in den Sinn (ich sah schon die verstohlen grinsenden Gesichter all der müritzerfahrenen Segler, Surfer und Schwimer am Ufer vor mir). Wir hattne noch eine große leere Konservendose an Bord die jetzt hilfreichen Dienst des Leerschöpfens tat (das bewies wieder mal, wie nützlich es sein kann, den eigenen Abfall nicht dem erstbesten Abfallbehälter oder gar der Landschaft anzuvertrauen).
In Ludorf gab es reichlich Zeit und Platz, die naß gewordenen Sachen in der Abendsonne auszubreiten und zu trocknen. Der Zeltplatz in Ludorf ist empfehlenswert.

3. Tag
Nach dem Frühstück holten wir die Ratschläge verschiedener Segler ein, ob wir auf dieser Höhe der Müritz quer ans Ostufer paddeln könnten. Die Ansichten waren kontrovers. Schließlich wagten wir die circa 4 Kilometer breite Passage Richtung Osten und Boeker Mühle. Den ersten Kilometer war das Wasser ziemlich ruhig, aber mit jedem weiteren Meter wurde es windiger, das Wasser unruhiger, die Wellen höher. Zu allem Übel kam der Wind aus Süden, so daß wir theoretisch den Wellen ständig die Breitseite boten. Also zickzack paddeln. Das Westufer rückte in immer weitere Ferne, während das Ostufer kaum näher zu kommen schien. Irgendwann änderte sich aber die Wahrnehmung und als sich erste schärfere Konturen der Landschaft abzeichneten, konnte man förmlich den berühmten Stein vom Herzen und in die Müritz plumsen hören. Ich muß gestehen, daß wir beide zwischendurch nich angstfrei waren. Wir ruderten endlich an der Boeker Mühle in den Bolter Kanal. Die Verbindung des Bolter Kanals von der Müritz bis zum Caarpsee nennt sich ‚Alte Fahrt’, da er lange Zeit, vor dem Bau des Müritz-Felberger-Seen-Kanals, als Hauptverbindungsweg der beiden großen Seengebiete galt. Gleichzeitig die Wasserverbindung zwischen Berlin und Ostsee herstellte. An der alten Bolter Schleuse muß das Boot umgetragen werden, problemlos, da nur einige wenige Meter. Diesen Kanal (3,5 km), egal in welche Richtung, zu durchqueren, können wir nur empfehlen. Landschaftlich war es das Beeindruckenste während der fünftägigen Wanderung (Ich kenne das Amazonasgebiet nicht, aber viel anders kann es nicht sein, bzw. erlebt werden... Die Flora ist unglaublich vielfältig, ebenso die Flora, wenn man einen Blick dafür hat). Der Kanal mündet in Caarpsee, motorbootfrei. Nächstes Wasser Woterfizsee - Leppinsee - Großer Kotzower Ssee - Kleiner Kotzower See - Granzower Möschen - Mirower See (am Ausgang, kurz vor der Schleuse, an der wir auch nicht warten brauchten, gibt es einen Fischer, der sehr gten geräucherten Fisch im Restaurant anbietet) - Mössensee (hier Übernachtung auf dem Waldcampingplatz den wir am ersten Tag entdeckt hatten).
Den ganzen Tag über sah es regnerisch aus. Aber erst am Nachmittag wurden wir ziemlich naß. Schlagartig wurde es windig, ungemütlicher Wellengang auf dem See ließ das Kanu tanzen und unsere Stimmung näherte sich schnell, aber nur kurzzeitig zum Glück, gegen Null.
Auf dem Zeltplatz bauten wir das Zelt im Nieselregen auf. In der kleinen Kneipe dort konnten wir mit Hilfe von zwei oder drei Bieren unsere gute Laune wieder an die Oberfläche spülen.

4. Tag
Stilles und geruhsames Paddeln, beinahe die selbe Strecke wie am ersten Tag, nur in Gegenrichtung (Mössensee - Vilzsee - Großer Peetschsee - Labussee - Canower See - Kleiner Pälitzsee - Hüttenkanal) und nur bis zum Ende des Hüttenkanals. Dort paddelten wir glei ch nach rechts über den Probelowsee, um an seinem Ufer, wierer wild, zu zelten. Es wiederhole sich die gleiche Aktion des Aufräumens wie am ersten Tag. Wir nutzten eine alte Feuerstelle um unsere Abendsuppe am Feuer zu kochen.
Die Sonne ließ sich an diesem Tag öfter blicken. Auf dem Hüttenkanal paddelten wir mit einem Motorboot um die Wette, natürlich ohne jegliche Chance. Dafür erfuhren wir vom Motorbootführer, daß wir immerhin 9 km/h schnell waren. Ein Haubentaucherweibchen mit zwei Kindern (wirkten ziemlich halbstark) brachte uns außerordentlich zum Lachen. Die Alte tauchte, und während sie unter Wasser ziemlich lange verschwunden blieb, drehten sich die Köpfe der Halbwüchsigen Kinder, auf der Lauer nach Freßbarem aus dem Schnabel der Alten, wie Richtantennnen in alle Himmelsrichtungen. Wenn sie dann auftauchte, meißtens einige Meter entfernt, stürmten die zwei Jungen wie Geistesgestörte über das Wasser um ja als Erste beim zappelnden Fisch im Schnabel der Alten zu sein. Natürlich zog immer einer von ihnen den Kürzeren. Überhaupt konnten wir täglich eine Vielzahl verschiedener Wassservögel beobachten. Junge Enten waren so zutraulich, aber auch gierig, daß sie uns die Brötchenstücke regelrecht aus den Fingern rissen.

5. Tag
Am Morgen beseitigten wir am Seeufer alle Spuren unseres Aufenthalts. Dann paddelten wir Richtung Tietzensee. Von dort in den Zootzensee. Dann folgte noch ein Abstecher mit längerer Pause nach Zechliner Hütte. Dort erregte am anderen Ufer des Sees die Industriebrache der alten Glashütte unsere Neugier. Wir stöberten einige Zeit in der verfallenen Anlage. Dann paddelten wir zurück und in den Repenter Kanal, an dessen Ende der letzte See, der große Zechliner, auf uns wartete. Gegen 17 Uhr hoben wir das Boot aus dem Wasser. Ende einer wunderbaren Reise, die nur Lust auf mehr geweckt hat.



Autor: Hans aus Darmstadt

Boot: Old Town Kanadier, Model: Beaver (2 Sitzer)