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Kanutour auf der Czarna Hancza - von Suvalki bis Augustów (Polen)

(6 Tage Tour)

Anreise:
Von Deutschland fahren wir mit der Bahn bis Warschau und verbringen hier eine Nacht in der Jugendherberge Warszawa - Smolna (Tel: +48-22-8278952). Sie ist von Hauptbahnhof zu Fuß gut zu erreichen, bietet aber nur geringen Komfort und keine Verköstigung, eine Küche ist jedoch vorhanden.
Am frühen Morgen des folgenden Tages fahren wir mit der Bahn in Richtung Suvalki. Im Warschauer Ostbahnhof ist für den Ticketkauf ein ordentliches Zeitpolster vorzusehen, da die Kartenverkäufer - so unsere Erfahrung - kaum Englisch sprechen. Zudem gibt es keine Fahrkartenautomaten und die Warteschlangen vor den Schaltern sind vor allem am Morgen immens lang - wir hätten fast den Zug verpasst.
Nach ca. 6 Stunden Fahrzeit in Suvalki angekommen, werden wir von unserem Bootsverleiher per Bus abgeholt. Die Boote schon im Schlepp geht es über die Landstraße Nr. 653 bis zum Kloster Wigry. Einkaufmöglichkeiten gibt es hier noch in Form von kleinen Tante-Emma-Läden, Geldautomaten zum Beispiel sucht man jedoch vergeblich.
(Vorschlag: Unbedingt in Warschau oder Suvalki mit ausreichend Bargeld ausstatten - die Tour ist absolut nicht teuer, aber uns wurden am Ende die Mittel knapp. Wir hatten mit der Möglichkeit gerechnet in Suvalki noch Geld abheben zu können, unser Chauffeur verstand uns jedoch falsch und brauste vom Bahnhof gleich zum entfernten See - sein Kommentar als wir am Ziel unsere Misere doch noch deutlich machen konnten: Da müsst ihr Grass essen!)

Aufgrund der guten Zulademöglichkeit entschieden wir uns bei der Wahl der Kanus für Kanadier und nicht für Kajaks. In den Masuren werden jedoch meist Kajaks gefahren, wohl aufgrund der teilweise bis zu einem Meter hohen Wellen des Wigry Sees. An unserem Reisetag ist der See jedoch traumhaft ruhig und auch mit offenen Kanus gut zu passieren. Auch im weitern Verlauf unserer Reise haben wir die Wahl nicht bereut.

Wir setzen unsere Boote ein und machen uns auf den Weg um die keine Halbinsel des Klosters herum bis zum schwer wahrzunehmenden Abzweig der Czarna Hancza im Osten des Sees. Jetzt heißt es Genießen. Die leichte Strömung des Flusses macht die Fahrt angenehm und auch für Kanu- Neulinge ohne große Kraftreserven leicht zu meistern.
Nicht weit vom Startpunkt unserer Tour verbringen wir die Nacht in unseren Zelten. Schon der erste Abend ist nicht zu toppen. Polen zeigt sein schönes Gesicht. Natur pur.

Am Ufer des Flusses findet man zahlreiche Möglichkeiten zum Campen. Meist sind es Einheimische, die einen Teil ihres Grundstückes mit einem Plumpsklo und einer überdachten Sitzmöglichkeit zum Rastplatz umwandeln, um so ihr geringes Einkommen aufzubessern. Diese Stellen sind oft durch Schilder mit der Aufschrift
-pole namiotowe- gekennzeichnet. Für diesen zusätzlichen Komfort zahlt man 1 bis 2 Euro pro Übernachtung - absolut angemessen und in Anbetracht der oft ärmlichen Verhältnisse eine tolle Geste. Wir haben diese Angebote durchweg genutzt, da die Plätze oft schön, sauber und durch die vorhandenen Toiletten nicht zuletzt frei von menschlicher Ausscheidung sind.

Tag 2
Die nächsten Tage geht es gegen 11 Uhr weiter Flussabwärts. Die Strömung trägt uns durch den Tag. Die Czarna Hancza ist auch im Hochsommer ausreichend mit Wasser gefüllt, flache Stellen sind selten. Nur manchmal muss man mit dem Kanu über umgestürzte Bäume gleiten oder Sandbänke umschiffen. Der Bach ist in diesem Teil zeitweise stark verkrautet, jedoch durchweg gut zu passieren. Durch die vielen kleinen Kurven kann jeder seine Paddeltechnik optimieren, ohne durch Navigationsfehler zu stark von der Ideallinie abzukommen.

In Mackowa Roda nutzen wir die Möglichkeit um uns in einem kleinen Dorfgeschäft vor allem mit Trinkwasser zu versorgen. Den Abend verbringen wir erneut an einer der zahlreichen Rastmöglichkeiten, die sich beidseits der Wasserader bieten. Hier sind wir nicht mehr ganz allein, der Platz wird von mehreren Kanuten genutzt.

Tag 3
Nach einem kurzen Bad in den kalten Fluten geht es wieder kurz vor dem höchsten Sonnenstand weiter Richtung Mikaszowka. Durch die späte Abfahrtszeit kommen wir am Abend etwas ins Schwitzen - aber das wissen wir ja jetzt noch nicht. Dieser Tourenabschnitt ist von zahlreichen Biegungen und scharfen Kurven gezeichnet. Dieser Umstand erhöht, wie schon beschrieben, den Fahrspaß enorm, jedoch ebenso auch die zu fahrende Strecke - ohne wirklich Strecke zu machen. Zu allem Übel biegen wir bei Rygol auch noch nach rechts Richtung Weißrussland ab und Folgen dem Lauf der Czarna Hancza. Der Fluss ist hier relativ breit und die Strömung nochmals stärker. Man freut sich über diesen Umstand jedoch nur solange, bis dem Paddler durch wilde Gestikulation der Einheimischen am Ufer der Irrtum vergegenwärtigt wird. Bis wir den Ort unserer Fehlentscheidung wieder erreicht haben, sind so wertvolle Kräfte in den Fluten versunken.
Ein wahres Highlight bildet dann die erste Schleuse (Sosnowek) vor dem Ort Mikaszowka.
Gegen eine Gebühr kann man hier gewähren und weiter bis zur 1,2 Km entfernten zweiten Schleuse fahren. Hier angekommen stellen wir fest, dass der Dienst des Wärters schon beendet ist und müssen unsere Kanus um die Wasserstufe herum tragen.
(Vorschlag: Eventuell noch vor Rygol einen Schlafplatz auszuspähen, um sich dann weitere Strapazen zu ersparen.)

Kurz nach der Schleuse bietet sich rechter Hand die Möglichkeit auf einer Anhöhe zu nächtigen. Vom Ufer aus muss man die Böschung erklimmen und schon präsentiert sich eine Ebene mit Wasser aus der Leitung - zum trinken vielleicht nicht geeignet, zum Kochen jedoch bestens. In Mikaszówka gibt es nach unseren Erkenntnissen keinen Supermarkt, aber einen super Laden. Hier kann man sich mit Waren des täglichen Bedarfs versorgen. Ebenso interessant ist das kleine Gotteshaus der Gemeinde unweit des Geschäfts auf der anderen Straßenseite. Es ist komplett aus Holz gefertigt und wurde im Jahre 1907 erbaut. Die Schiffshebeanlage ist jedoch noch 79 Lenze älter.


Tag 4
Am nächsten Morgen wärmen wir uns noch ein wenig an der Glut des Feuers, trinken Kaffee und lassen uns von unserer Physiotherapeutin den Vortag aus den Muskeln kneten. Erneut gut ausgeruht geht es am Vormittag weiter Richtung Plaska. Wir passieren den kleinen See Jez. Mikaszowek und dann den schmalen, langgezogenen Jez. Mikaszewo, an dessen Ende die Schleuse Perkuc uns einige Meter auf das Niveau des Sees Krzywe hebt.
Wenn ich hier von Schleusen schreibe, so meine ich nicht solche neueren Typs, wie die auf der Mecklenburger Seenplatte, sondern jene mit riesigen dunklen Holztoren, die dem Schwarzen Tor von Mordor aus der -Herr der Ringe-Trilogie ähneln. Die Wärter dieser Tür entpuppen sich jedoch nicht als Magier mit glatten, weißen Haaren und einäugige, feuerrote, mächtige Halluzination, sondern als Herr und Frau Schleusenwärter. Er hebt unsere Boote, während Sie uns leckere pfannenkuchenartige Köstlichkeiten feil bietet.
Jede Schleusung ist im Gegensatz zu deutschen Schiffshebeanlagen gebührenpflichtig, die Preise sind allerding sehr moderat, berücksichtigt man die Tatsache, dass sie noch von Hand geöffnet und geschlossen werden.
Weiter geht es über den Paniewo-See und den gleichnamigen Kanal in den Orle See. Nun in Plaska angekommen bieten sich wieder einige Einkaufsmöglichkeiten, die wir jedoch nicht wahrnehmen. Uns zieht es weiter, durch die örtliche Schleuse Gorczyca und dem Plätzchen für die folgende Nacht entgegen. Unser Lager schlagen wir auf einem der Campingplätze der Polnischen Gesellschaft für Touristik und Heimatkunde (PTTK) auf. Diese Plätze sind nicht besser ausgestattet als die Privaten, die wir bis jetzt in Anspruch genommen haben, jedoch erheblich teurer. Am Abend erscheint ein motorisierter Kassenwart, der die Gebühr erhebt und dann wieder im Wald verschwindet.
Wir werden von einem sympathischen Paar aus der Gegend ans Lagerfeuer eingeladen und schwelgen bis tief in die Nacht in Gesprächen über das Land. Als wir am Tag darauf erwachen haben unsere Nachbarn schon die Zelte abgebrochen, uns ihren Proviant hinterlassen und ihre Fahrt fortgesetzt. Wir werden sie später noch einmal Treffen.

5.Tag
Nachdem wir unsere Zelte abgebaut und in den Kanadiern verstaut haben, machen wir uns auch auf den Weg nach Czarny Bród. Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier keine und so fahren wir weiter bis sich vor uns der Kanal Augustowski auf tut. Dieser Teil des Flusses besticht durch den krassen Gegensatz zum bisher Erlebten. Der Kanal ist gut 3,5 Km lang und scheinbar schnurgerade. Von Beginn an kann man am Horizont schon das Ende erahnen und paddelt so beharrlich einem Punkt entgegen. Abwechslung gibt es hier wenig, das Ufer ist dicht bewachsen, Rastmöglichkeiten bieten sich kaum. Aufgrund der hohen Bäume links und rechts ist es zugig und kühl.
Nachdem wir die vorletzte Schleuse (Swoboda) unserer Reise passiert haben, gelangen wir in den Jez. Studzieniczne. Am Ostufer des Sees, in der Ortschaft Przewiez, versorgen wir uns mit Lebensmitteln. Aufgrund der finanziellen Fehlplanung am Anfang der Fahrt verfügen wir nur noch über geringe Mengen Bargeld. Am Strand von Studzieniczna fragen wir nach einem -pole namiotowe- Plätzchen, die hohen Preise sind wir jedoch nicht bereit zu zahlen und fahren weiter zurück Richtung Osten. Den auf unserer Karte verzeichneten Campingplatz auf der Insel vor Przewiez konnten wir nicht finden. Obwohl das Eiland übersichtlich ist. So suchen wir also am südlichen Ufer des Sees nach einer Schlafmöglichkeit, fündig werden wir aber auch hier nicht. So gelangen wir zum Camping- und Zeltplatz Swoboda der sich über das Ostufer erstreckt. Der Platz ist sehr voll und wir machen es uns an einem kleinen Hang gemütlich. Auch die Polen genießen ihr Wochenende in vollen Zügen und so sitzen wir schnell an einem Lagerfeuer und unterhalten uns mit Einheimischen. Der Campingplatz verfügt zudem über eine Bar und eine Sauna, die Toiletten sind zweckerfüllend.


6.Tag
Am Morgen stechen wir früh in See, da wir gegen 16 Uhr unsere Kanus in Augustow abgeben müssen. An der Schiffshebeanlage von Przewiez lassen wir uns auf das Niveau des Jeziore Biale absenken und paddeln dem Ziel entgegen. Der See ist bei Wassersportlern aller Couleur sehr beliebt. Viele Jetski- und Sportbootfahrer machen dem Kanuten das Leben spannender als gewünscht. Zudem herrscht ein äußerst hartnäckiger, kräftezehrender Wind aus West, der uns das Fortkommen erschwert. Nachdem wir den See Necko erreicht haben, treffen wir am östlichen Ufer unseren Kanu- Chauffeur, der unsere Kanus wieder zum Verleih zurück bringt.
Augustow ist eine touristisch gut erschlossene Kleinstadt mit Wasserski-Anlage. Hier kann man sich mit nahezu allem ausrüsten, was auf der Fahrt zur Neige gegangen ist. Natürlich gibt es auch Geldautomaten.
Wir suchen zunächst erfolglos nach einer günstigen Unterkunft, werden dann aber in der Nähe des Bahnhofes fündig. Der Zeltplatz ist jedoch absolut ernüchternd und nur als Notunterkunft zu empfehlen. Die angrenzende Bundesstraße macht die Nacht zum Tag und auch die anderen Gäste sind nur aus einem Grund hier - sie haben nichts anderes gefunden.
Weil schön anders ist, verbringen wird die restlichen Tage bis zur Rückfahrt nach Deutschland am Südufer des Sees Biale. Nicht weit weg von Augustow haben wir hier nochmals ein idyllisches Plätzchen gefunden.

Autor: Sockenboss